Kompetenzentwicklung mit System

Kennen Sie das? Sie haben in einem Bereich erkannt, dass es Defizite gibt. Oder Sie sind im Unternehmen auf Schwächen hingewiesen worden. Und Sie sind bereit daran zu arbeiten. Dennoch kommt der Lernprozess immer wieder ins Stocken. Sie bleiben nicht dran. Sind Sie deshalb schlecht? Nein, Sie können es aber besser machen – mit ein paar kleinen Tricks.

Kompetenzentwicklung sollte System haben

Private und berufliche Ziele bleiben oft deshalb nicht erreicht oder erreichbar, weil Kompetenzen fehlen. Einer meiner Klienten (Vertriebsleiter) hatte den Wunsch und das Ziel, seine berufliche Geschäftstätigkeit auf osteuropäische Märkte auszuweiten. Dazu benötigte er gute russische Sprach- und Kulturkompetenzen, die er mittels entsprechender Sprachtrainings erweitern wollte. Dieser Prozess kommt jedoch immer wieder ins Stocken, weil es viele andere Dinge in seinem täglichen Leben gibt, die für ihn attraktiver sind, als Vokabeln zu lernen. Ihm fehlt genügend „Konsequenz“ und „prozedurales Vorgehen“.

Stärken überprüfen

Hinsichtlich gesetzter Ziele stellt sich immer auch die Frage, ob für die Zielerreichung alle notwendigen Kompetenzen vorliegen. Falls nicht, empfehle ich immer als ersten Schritt zu überprüfen, ob das Ziel mit den eigenen Stärken übereinstimmt. Solange ein Ziel nur in geringem Maße mit vorhandenen Kompetenzen übereinstimmt, sollte überprüft werden, ob das Ziel das Richtige ist. Ziele, die auf Schwächen aufbauen, benötigen enorm viel Energie.

Kompetenzen sind neurologische Autobahnen

Im Laufe unseres Lebens haben wir bestimmte Verhaltensweisen erlernt oder auch unbewusst übernommen, die durch ständige Wiederholung in unserem Gehirn „fest verdrahtet“ sind. Auch „Inkonsequenz“ kann solch eine mentale Autobahn sein, und vermutlich ist diese Autobahn sehr sinnvoll. Würde beispielsweise ein Verkäufer konsequent auf seinen Angebotspreis bestehen, würde er möglicherweise schnell den Auftrag verlieren.

Kompetenzen sind neurologische Strukturen, die nicht nur in einem Bereich unseres Lebens auftreten. Konsequenz ist vermutlich eines der besten Beispiele: Wenn wir konsequent unser Fahrtenbuch führen und unser Zeitmanagement einhalten, dann werden wir – vermutlich – auch in der Kindererziehung und im Umgang mit Störungen konsequent sein. Jede Kompetenz ist also eine gelernte Struktur – Kompetenzentwicklung baut diese Struktur um.

Lernplan Kompetenzentwicklung

Entwicklungsplan zur Kompetenzentwicklung erstellen

Oft fehlt für die Zielerreichung nur eine einzige Kompetenz, die möglicherweise auch behindert, viele andere Ziele zu erreichen. Dann ist es sehr hilfreich, diese Kompetenz zu erwerben.

Nehmen wir das oben genannte Beispiel der ‚Konsequenz‘. Diese Kompetenz wurde von meinem Klienten als verbesserungsfähig eingestuft. Er nahm sich – auch in vielen anderen Bereichen – immer wieder vor, konsequent zu sein. Deshalb erstellten wir eine Liste von Situationen, in denen für ihn Konsequenz als Defizit erlebt wurde: Kindererziehung, Umgang mit eMail-Postfächern, Störungen im Berufsalltag, Sport, Zeitplanung und Russisch lernen. Vermutlich waren es noch viele mehr.

Lerngelegenheiten identifizieren

Hier stellen wir die Frage, wo und bei welchen Gelegenheiten die gewünschte Kompetenz trainiert werden könnte. Mit meinem Coaching-Klienten entwickelte ich in einem Brainstorming zunächst viele Ideen hierzu: Zeit für die Kinder nehmen, am Sonntag keine eMails abrufen, regelmäßige sportliche Betätigung, Vokabeln lernen, beim Kunden pünktlich erscheinen, nicht im Stehen essen, Höchstgeschwindigkeiten einhalten, …

Bisherige Erfolge identifizieren

Jede beliebige persönliche Kompetenz steckt bereits in jedem Menschen. Möglicherweise wird sie nicht immer genutzt oder ist neuronal verkümmert. Ich habe in meinen Coachings noch nie eine Kompetenz entdeckt, die nicht irgendwo beim Klienten schon vorhanden war.

Konsequenz ist hier vermutlich das schwierigste Beispiel. Denn um Konsequenz zu trainieren muss man schon konsequent sein. Deshalb ließ ich meinen Klienten Situationen finden, in denen er absolut konsequent war. Er steht beispielweise jeden Tag (auch Samstag und Sonntag) um 6:30 Uhr auf, mit dem ersten Weckerklingeln. Nach dem Aufstehen trinkt er jeden Morgen konsequent einen Kaffee. Er putzt sich jeden Morgen und jeden Abend konsequent die Zähne. Er fährt jeden Arbeitstag konsequent den gleichen Weg in sein Büro. Wir identifizierten fast 100 Situationen, in denen er Konsequenz bereits zeigt.

Auswirkungen identifizieren

Kompetenzen werden, obwohl sie vorhanden sind,  häufig deshalb nicht genutzt, weil uns die Auswirkungen nicht bewusst sind. Dies ist ein wichtiger Part der Kompetenzentwicklung. Auswirkungen können positiv oder negativ sein. Mit meinem Klienten erarbeitete ich in einem nächsten Schritt, welche Auswirkungen die Kompetenz hätte. Beispielsweise erzählte er, dass das Verhältnis zu den Kindern besser würde, weil er als Vater zu seinen Versprechungen stehen würde. Sie könnten sich darauf verlassen, dass er sie zu einem sportlichen Wettkampf begleitet oder wie versprochen mit Ihnen vor dem Schlafengehen noch ein Spiel spielt. Und das fühlte sich für ihn gut an.

Kompetenzvision aufbauen

Unser Gehirn benötigt zur Kompetenzentwicklung emotionale Aufladungen. Hierzu hilft Visionieren, also sich etwas vorstellen, was noch nicht ist, als sei es bereits. Denn unser Gehirn kann zwischen Realität und reiner Imagination nicht unterscheiden. Deshalb stellte ich die Frage: „Wie sieht Ihr Leben aus, wenn Sie bereits konsequent wären?“ Er träumte ein wenig von einem Leben, das ihn als konsequenten Vater, Ehemann, Vertriebsleiter und Vereinsvorstand zeigte. Und in seinem Gesicht war zu lesen, dass ihn das emotional positiv stimmte.

Lernmethoden identifizieren

Kompetenzen lassen sich immer auf unterschiedlichen Wegen und mit verschiedenen Methoden trainieren.

Mein Klient sammelte in den nächsten Tagen neue Erfahrungen. Er fühlte, wie es ist, bei einem Kunden pünktlich zu erscheinen. Und er reflektierte seine Empfindungen stolz darauf zu sein, jeden Morgen mit dem Kaffee in der Hand fünf neue Vokabeln zu lernen und einen Absatz eines russischen Textes zu hören.

Er reflektierte immer wieder, welchen Unterschied es machen würde, jeden Tag eine Sache konsequent zu verfolgen. Und er probierte aus nach dem Prinzip Versuch und Irrtum. Beispielsweise versuchte er in Vertragsverhandlungen ein wenig konsequenter bei seinem Angebotspreis zu bleiben. Und er machte damit positive Erfahrungen. Dies beschleunigte die Kompetenzentwicklung.

Trainieren, trainieren, trainieren

Kompetenzentwicklung bedeutet neurologisch, eine neue gut ausgebaute Autobahn im Gehirn zu schaffen. Dabei hat sich das Prinzip der kleinen Schritte bewährt.

Neuronale Netze im GehirnMein Klient hatte über Jahrzehnte in einigen Lebensbereichen Inkonsequenz trainiert. Um so mehr war es hilfreich, kleine Schritte zu gehen. Er nahm sich beispielsweise in seinem Selbstmanagement jetzt deutlich weniger vor, blieb aber dann konsequent dabei. Hier liegt der häufigste Fehler: Wir wollen alles und zwar sofort. So funktioniert unser Gehirn aber nicht.

Um dies positiv emotional aufzuladen, feierte er jeden kleinsten Erfolg. Wenn er es schaffte, eine Woche lang jeden Tag fünf Minuten Russisch zu lernen, ging er am Freitagabend mit seiner Familie essen. Und nur dann, selbst wenn die Kinder quängelten.

Nach nur zwei Wochen berichtete mir der Klient, wie er immer mehr Spaß daran fand, ‚Konsequenz‘ zu trainieren und welche großartigen Erfolge er damit hatte. Und je mehr Spaß er dabei empfand, um so schneller entwickelte sich diese Kompetenz. Im Übrigen ist das Coaching jetzt ein halbes Jahr her. Er berichtet, dass er heute extrem effizient arbeitet, bereits begonnen hat, im osteuropäischen Markt zu akquirieren und auch dabei bereits erste Erfolge verzeichnen kann. Sein Sprachlevel hat sich so entwickelt, dass er heute schon russische Tageszeitungen lesen kann und die russischen Nachrichten versteht. Im nächsten Jahr wird er mit seiner ganzen Familie eine Studienreise nach Russland machen.

Lernpartnerschaften und Coaching

Um Erfolge in der Kompetenzentwicklung abzusichern, ist es sinnvoll, Lernpartnerschaften und Coaching zu nutzen. Lernpartnerschaften unterstützen sich gegenseitig im Kompetenzaufbau und geben sich gegenseitig Feedback. Sie erinnern gerade in der Anfangszeit an die Kompetenzentwicklung. Mein Klient vereinbarte mit einem vertrauten Kollegen und seinem ältesten Sohn eine Lernpartnerschaft (im Übrigen mit gleichzeitig tollem Erfolg für den Sohn!). Mit seiner Sekretärin, seiner Ehefrau und mit mir als externem Coach hatte er Gesprächspartner, mit denen er seine Lernwege überprüfen konnte, Feedback bekam und die ihn immer wieder an sein großes Ziel erinnerten.

Wenige Wochen

Unser Gehirn benötigt bei entsprechend positiver Emotion maximal 6 bis 12 Wochen, um sich umzubauen. Einige Trainer sagen auch: „Wenn Du ein neues Verhalten etablieren willst, dann nimm es Dir nur für die nächsten 30 Tage vor. Es ist quasi eine 30-Tage-Challange. Möglicherweise stellst Du nach 30 Tagen fest, dass Du dieses neue Verhalten gar nicht willst. Dann hast Du immer noch die Chnace, es sein zu lassen. Aber 30 Tage  ist quasi wie ein Test, es ist nur ein Test.“ – auch eine tolle Idee.

Und die ersten Erfolge stellen sich häufig – wie in Fall meines Klienten – bereits nach wenigen Tagen ein. Aber ein paar müssen es schon sein, zwei oder drei Tage reichen nicht. Angeblich baut sich das Gehirn nach 21 Tagen um. Und ich glaube immer, wenn ich etwas drei Wochen geschafft habe, dann geht eine zusätzliche Woche auch. So ging es mir beim Joggen. Ich sagte mir nach 8 km (10 waren geplant): Wer zehn schafft, schafft auch zwölf. Und es stimmte.

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